Sonderfahrt nach Gjakove im Kosovo vom 29.03.04 bis 04.04.04
Ende März
erhielten wir den Auftrag, eine medizinische Röntgenanlage in den Kosovo,
nach Djakove, zu bringen. Durch die Unruhen in Pristina eine Woche zuvor, mussten
wir die Sendung bei uns 1 1/2 Wochen zwischenlagern. Erst dann war uns die Lage ruhig und sicher genug, sowohl für unseren
Fahrer als auch
für das Fahrzeug und die Sendung! Hier der Bericht unseres Mitarbeiters Gerd
Gänsrich:
"Über Italien, mit der Fähre nach Griechenland und dann
durch Mazedonien
ging es in den Süden des Kosovo. Die Grenzabfertigung an der griechisch-mazedonischen
Grenze dauerte geschlagene 6 Stunden. Danach konnte ich die Autobahn bis Skopje
nehmen, von wo dann eine sogenannte Europastrasse
weiterführen sollte. Die Beschilderung war unter allen Kanonen und die Straße
nach Zustand und Breite wirklich nicht als solche zu bezeichnen.
Etwa 10 Km vor der Grenze zum Kosovo wurde ich von der Polizei aufgehalten und
zu einem „Terminal“ verwiesen. An diesem Terminal musste ich
20,- € bezahlen, wahrscheinlich Durchfahrts- oder Abfertigungsgebühren
und durfte dann weiter zur Grenze fahren. An der Grenze wurde nach einer Wartezeit
von wieder 6 Stunden bei der Grenzabfertigung von mir ein Versicherungsdokument verlangt, ohne das ich nicht in den Kosovo einreisen dürfte. Diese
extra Fahrzeugversicherung kostete tatsächlich 155,- €. Im Kosovo wurde
ich an der Grenze persönlich vom Warenempfänger abgeholt, der dann auch
gleich alle Formalitäten übernahm und die Einfuhrverzollung auf nur
3 Stunden verkürzte. (Gott sei Dank!)
Danach fuhren wir gemeinsam die 170 km nach Djakove. Nach der Ankunft bei der
Arztpraxis fanden sich sehr schnell ca. 15 Männer ein, die
alle bei der Entladung helfen wollten. Das war vielleicht ein Auflauf – und jeder
wusste besser, wie die Röntgenanlage in die Praxis zu bringen war! Schließlich
war das auch geschafft und alle waren richtig stolz auf die neue Anlage in „ihrer“
Stadt.
Nach der Entladung wurde mir von dem Empfänger bedeutet, dass ich natürlich
die Nacht als sein Gast bei ihm zu Hause verbringen solle. Auf meine Bedenken
wegen der Sicherheit des LKW wurde sofort eine Nachtwache für das Fahrzeug
organisiert, die ich bezahlen wollte, was aber strikt abgelehnt wurde. Beim
Arzt zuhause gab es ein klasse Abendessen und ich konnte die Schlafkabine meines
LKWs mit einem richtigen Bett tauschen! Am Morgen wurde ich zu meinem Fahrzeug
gebracht und freundlichst verabschiedet.
Ich wollte auf dem kürzestem Weg über Pristina und Nis nach Serbien.
Etwa 40 km hinter Pristina an der Grenzlinie Kosovo – Serbien gab es zwar
am Militärposten der KFOR – Truppen keine Probleme, der serbische Grenzposten
verweigerte mir aber die Einreise nach Serbien. Es fehlte mir der Einreisestempel
von Serbien in den Kosovo (klar, ich kam ja über Mazedonien) .Der Posten
bedeutete mir, dass eine Einreise von Mazedonien direkt nach Serbien problemlos
möglich sei. Was für mich bedeutete, dass ich zurück über
Pristina nach Skopje/ Mazedonien musste, um von da nach Serbien einzureisen!
Mist – ein Riesenumweg und schlecht, weil im Kosovo eine
Navigation auf Grund meist fehlender Ortstafeln und Hinweisschildern an Kreuzungen
sehr schwierig ist. Dazu kommen noch die zahlreichen Militärposten der KFOR
– Truppen und die chaotischen Verkehrsverhältnisse bei den meisten
Ortsdurchfahrten.
Durch diesen Umweg verlor ich mehr als einen Tag Zeit, auch wegen der Wartezeiten
von 6 bis 8 Stunden an den beiden Grenzen. Also verband ich die Ruhepausen an den
Grenzen mit diesen langen Wartezeiten.
Der restliche Heimweg war dann eigentlich fast schon ein Kinderspiel. Über
Nis nach Belgrad und von dort nach Ungarn. Dann von Kecskemet über Budapest
nach Hause ins schöne und ruhige Bayernland.
Es ist schon einfach ein Genuss, wenn man die heimatlichen Berge wieder sieht
und auf den Nebenstraßen nicht mit einem Militärposten und sogar Minen
rechnen muss.
Aber ich fahre wieder hin – mit der nächsten Sendung!
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